Unsere Wirtschaft

Stand: 20.04.2018
2016 betrug die Exportquote (Anteil der Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen am BIP) 46,0 %;
die Importquote betrug 38,4 %. Die „Außenhandelsquote“ lag somit bei 84,4 %.
Damit gehört Deutschland zu den Staaten mit der grössten Abhängigkeit vom Ausland.

Die Globalisierung, d.h. die Verflechtung der Weltwirtschaft durch exzessiven Handel befindet sich meiner Einschätzung nach auf ihrem Höhepunkt und wird in den nächsten Jahren zurückgehen, weil sich die Triebkräfte der Globalisierung abschwächen, während Vorteile einer verbrauchernahen Produktion deutlich werden:
Bisher führte die Industrialisierung von aufstrebenden Ländern, insbesondere von China, zu einem hohen Export deutscher Produkte wie Maschinen, Anlagenteile und Kraftfahrzeuge. Im Gegenzug wurden zumeist Waren, die viel Handarbeit erfordern, nach Deutschland importiert. Doch der Vorsprung, den die Technologie und die Qualität deutscher Produkte einstmals hatte und der einen relativ hohen Preis rechtfertigte, ist in den meisten Bereichen gesunken oder sogar ganz verschwunden. Dadurch sind viele Produktionszweige aus Deutschland abgewandert, obwohl diese Waren von praktisch jedem Bürger benutzt werden, wie u.a. Unterhaltungselektronik (Fernseher, Hifi-Anlage, Smartphones), Computer, Haushaltsgeräte, Schuhe und Bekleidung. Tatsächlich ist es für einen Käufer in den meisten Fällen schwierig, den Anteil heimischer Wertschöpfung an einer Ware zu erkennen.
Schaut man sich heutzutage in den Geschäften um, findet man außer Lebensmittel, Möbel und Baustoffen nur noch wenige Waren, die zweifelsfrei zu einem überwiegenden Teil bei uns hergestellt worden sind.
Die Asiaten sind dabei, nach ihrem Erfolg bei den Konsumgütern auch bei den Investitionsgütern den Markt zu erobern. Für die noch konkurrenzfähigen Produkte verschärft sich der Wettbewerb.
Bei der Energieversorgung ist Deutschland besonders abhängig vom Ausland . So hat Deutschland 2017 etwa 70 % seines Primärenergiebedarfs importiert und erst 5,2 % seines Endenergiebedarfs im Verkehr durch erneuerbare Energie gedeckt. Wir sollten unseren Verbrauch und damit unsere Abhängigkeit vom Erdöl reduzieren, denn der in den vergangenen fünf Jahren relativ niedrige Preis für fossilen Kraftstoff wird spätestens 2020 wieder steigen.
Eine Lösung können Elektro-Autos sein, die mit einer Brennstoffzelle oder mit einem Akkusatz betrieben werden.
Die Akkutechnologie wird zwar auch in Deutschland entwickelt; die Akkuzellen werden hierzulande aber nur in Kleinserie und noch nicht in Großserie produziert.
Hauptursache der internationalen Arbeitsteilung ist, wie allseits bekannt, der Unterschied der Löhne und Gehälter bei uns zu denen in den Schwellenländern. Dieser Unterschied wird nur langsam sinken, denn einerseits verhindert das Heer der Arbeitsuchenden in Asien einen deutlichen Anstieg der dortigen Einkommen, andererseits stößt eine Stagnation der Einkommen bei uns auf großen Widerstand, zumal Manager und Politiker selbst immer mehr kassieren. Die Verlagerung von Investitionen bewirkt mehr als jede Entwicklungshilfe einen gewissen Ausgleich zwischen den (noch) reichen und den (noch) armen Ländern. Erwerbstätige in privaten Unternehmen in den wohlhabenden Ländern wie Deutschland müssen sich um den Arbeitsplatz sorgen.
Wir können also auf Dauer nicht hohe Einkommen beziehen und gleichzeitig billige Waren aus dem Ausland kaufen, weil die hier hergestellten als zu teuer gelten.

Drei Faktoren haben einen hemmenden Einfluss auf den Welthandel:
1. Verknappung und somit Verteuerung von Erdöl und Erdgas:
Dies führt zu einer Verteuerung von Transporten und macht Transporte unrentabel, die höhere Kosten verursachen als durch Einsparung bei den Personalkosten für die Produktion im Ausland herausgeholt werden kann. Eine Produktion in der Nähe der Verbraucher wird sich dann durchsetzen. Außerdem begünstigt es die Nutzung heimischer erneuerbarer Energiequellen und Rohstoffe , was inländische Arbeitsplätze schafft.
2. Automatisierung in der Produktion:
Diese ist bei uns schon weit fortgeschritten und hat den Anteil der Personalkosten an der Produktion gesenkt. Eine hohe Produktivität der Facharbeiter kann also die relativ hohen Löhne rechtfertigen.
Die Rationalisierung trägt demnach zwar betriebswirtschaftlich zur Konkurrenzfähigkeit hiesiger Produkte bei, doch volkswirtschaftlich ergibt sich das Problem der Arbeitslosigkeit. Der Staat sorgt künstlich für Entspannung auf dem Arbeitsmarkt , indem er unproduktive Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor schafft. Die demographische Entwicklung verlagert das Problem der Unterstützung von "Unproduktiven" vom Staatsdienst zur Rentenversicherung.
3. Sättigung von Absatzmärkten:
Der lange angehaltene Wohlstand bei uns hat zu einer Sättigung des Bedarfs bei nahezu allen Produkten geführt. Bei nicht zum Leben notwendigen Waren ist entweder der Preis das wichtigste Verkaufsargument oder technische Verbesserungen , die jedoch entgegen den Aussagen aus der Werbung meist eher gering oder gar fragwürdig sind. Wirkliche Neuheiten, die einen unbestreitbaren Nutzen haben, gibt es vielleicht alle 10 Jahre. Man kann diesen Sachverhalt auch positiv sehen. Wegen des stagnierenden Inlandsmarktes wird der Import kaum noch steigen, womit der Export ebenfalls nicht mehr steigen muss, um die Handelsbilanz auszugleichen.

Manfred Julius Müller:
"Der völlige Zusammenbruch der Hochlohnländer konnte bisher nur verhindert werden durch eine atemberaubende Billigzinspolitik und teure Konjunkturpakete. Die Zentralbanken stellen den Geschäftsbanken frisch generiertes (= frisch gedrucktes) Geld fast zum Nulltarif zur Verfügung. Diese ausufernde Geldschwemme stellt alle moralischen und marktwirtschaftlichen Prinzipien auf den Kopf und entwertet natürlich auch echtes (reales) Geld. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch diese Blase platzt. Und alles nur, weil man glaubt, auf angemessene Einfuhrzölle verzichten zu müssen."

Egon W. Kreutzer , 25.01.2018: "Protektionismus und Nationalstaat bilden eine untrennbare Einheit. Der Verzicht eines Staates auf protektionistische Maßnahmen zum Schutz der eigenen Volkswirtschaft kommt einer bedingungslosen Kapitulation und der Selbstaufgabe gleich. Alle gegenteiligen Behauptungen sind nicht zu Ende gedacht:
- Die Annahme, jede Möglichkeit, Waren preisgünstig zu importieren, diene der eigenen Volkswirtschaft und mehre den Nutzen des eigenen Staatsvolkes, ist an Naivität nicht zu übertreffen, denn damit wird eine Spirale der Abhängigkeiten in Gang gesetzt, die nur schwer wieder zurückzudrehen ist. - Die Annahme, jede Möglichkeit, Waren preisgünstig zu produzieren und billig zu exportieren, diene der eigenen Volkswirtschaft und mehre den Nutzen des eigenen Staatsvolkes, ist ein Märchen aus Absurdistan. In Wahrheit ist jeder dauerhafte Exportüberschuss ein der Bevölkerung abgepresster Gewinn für die Anteilseigner der Unternehmen der Exportwirtschaft - und zugleich der Keim für eine Schuldenkrise.
- Die Annahme, preisgünstige Importe und eine international wettbewerbsfähige Exportindustrie sollten am besten von ausländischen Investoren finanziert und gemanagt werden, erinnert an die Denkweise indischer Maharadschas, denen man Pomp und Reichtum ließ, mit der Maßgabe, das Volk ruhig zu halten, während die britische Besatzungsmacht den Subkontinent ein Jahrhundert lang brutal ausplünderte. Wohlverstandener Protektionismus beginnt mit der Souveränität über die eigene Währung. Dies bedeutet weit mehr, als eine Währung zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu ernennen. Es bedeutet vor allem, das Privileg der Geldschöpfung in Händen zu halten und verantwortungsbewusst damit umzugehen. Dies alleine reicht vollständig aus, um sich aus der vermeintlichen Kapital-Abhängigkeit von ausländischen Investoren zu befreien. Wohlverstandener Protektionismus wird versuchen, die eigene Wirtschaft in allen relevanten Branchen vor Importen zu Dumpingpreisen zu schützen. Die Gefahr geht nicht von den Nationalstaaten aus, sondern vom internationalen Kapital, das den Protektionismus aus seiner Sicht natürlich fürchtet, wie der Teufel das Weihwasser."

"Welt"-Redaktion , 26.02.2018: "Schon Anfang des nächsten Jahrzehnts wird der Bundeshaushalt selbst unter günstigen konjunkturellen Voraussetzungen wieder ins Minus rutschen: Die Regierung wird dann entweder gezwungen sein, neue Schulden zu machen oder anders für Einnahmen zu sorgen, etwa indem sie an der Steuer- und Abgabenschraube dreht. Alternativ müssten an anderer Stelle Einschnitte vollzogen werden, um ein Haushaltsdefizit zu verhindern. Mitarbeiter des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln haben den Koalitionsvertrag von Anfang Februar Punkt für Punkt unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Auf Basis aller derzeit vorliegenden Informationen und Prognosen wird bereits im Jahr 2021 ein Minus von knapp 20 Milliarden Euro anfallen. Schon im Jahr 2022 müsste der Bund laut IW-Berechnungen mindestens 39 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen – oder weniger ausgeben – um nicht in die roten Zahlen zu rutschen. Es ist wohl kein Zufall, dass Ausgaben und Einnahmen gegen Ende der vorgesehenen Regierungszeit von Schwarz-Rot vollends aus der Balance kommen. Ingesamt bleibt die große Koalition damit ihrer Linie treu, Interessen zu bedienen und Wählergruppen Versprechungen zu machen, ohne ein langfristiges Finanzierungskonzept zu bieten. Unter dem Strich zeigt die Koalitionsvereinbarung von Union und SPD, dass die GroKo-Ausgabenpläne dem Ziel eines ausgeglichenen ehrlichen Staatshaushalts widersprechen."

Oswald Metzger , 01.03.2018:
"Italiens Notenbank weist nach aktuellem Stand einen negativen Target2-Saldo von 433,2 Milliarden Euro aus. Das ist der höchste Negativsaldo aller südeuropäischen Notenbanken im Euro-Raum – neben Spanien. Die Deutsche Bundesbank weist dagegen eine Gesamtforderung im Target2-Zahlungsverkehrssystem aus, die derzeit bei 882,1 Milliarden Euro liegt. Vereinfacht formuliert besteht fast die Hälfte der deutschen Target2-Forderungen aus italienischen Verpflichtungen. Dramatisch wird das dann, wenn ein solches Krisenland aus dem Euro ausscheiden will. Dann stellt sich die Frage, ob die Bundesbank diese dreistelligen Milliarden-Forderungen ganz oder teilweise abschreiben muss. Brüssel und bis auf weiteres auch Berlin werden alles tun, um nicht konvergente Volkswirtschaften weiter in einem gemeinsamen Währungsraum zu halten. Der Preis wird aus deutscher und nordeuropäischer Sicht hoch sein. Denn weder das Reißen der 3%-Defizitgrenze noch das Überschreiten des Gesamtschuldendeckels werden je wieder in Sanktionen der EU-Kommission münden. Die europäische Haftungsgemeinschaft wächst weiter – allen Sonntagsreden zum Trotz.
'No Bail out', das heißt keine Haftung der Europäischen Union sowie ihrer Mitgliedstaaten für Verbindlichkeiten einzelner Mitgliedstaaten war gestern. Der deutsche Widerstand gegen die europäische Einlagensicherung wohl auch. Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Das ist vielleicht das wirklich zutreffende neue europäische Mantra!"

Markus Krall , 07.03.2018 :
"Italien wäre pleite ohne die Zinspolitik von Herrn Draghi. Am Anfang wurde die Angst vor einer Deflation als Grund vorgeschoben. Aber darum ging es nie. Es sollte Zeit dafür gekauft werden, um alles in den Griff zu kriegen. Aber Italien & Co. haben keine Anreize zu sparen. Wenn wir die Reißleine ziehen, sitzen wir mit einem Schlag auf riesigen Verlusten. Aber wenn wir sie nicht ziehen, wird die Lage noch schlimmer. Egal, was wir machen, es gibt keinen Weg, der uns um eine Bereinigung herumführt. Und spätestens in zwei Jahren fliegt uns das angestaute Ungleichgewicht um die Ohren, weil den Banken das Geschäft wegbricht. 80 Prozent ihrer Erträge verdienen sie durch Zinsmargen. Aber die Nullzinsen lassen diese Margen kollabieren. Wenn sie operative Verluste schreiben, erodiert das ihre Kapitalbasis, damit auch ihre Fähigkeit zur Kreditvergabe, und das wiederum schrumpft die Giralgeldmenge. Deflation ist deshalb das Endergebnis dieser Politik. Um sie aufzuhalten, wird man dann die Schleusen in Panik so weit öffnen, dass sie in eine Hyperinflation umkippen dürfte. Es stellt sich durchaus die Systemfrage. Normalerweise gehen jedes Jahr ein bis zwei Prozent der Unternehmen pleite. Das hat der Ökonom Schumpeter als Prozess der kreativen Zerstörung beschrieben. Aber diese Kräfte wirken nicht mehr, weil diese Unternehmen durch die Nullzins-Subvention künstlich am Leben erhalten werden. Sie müssen ihre Kapitalkosten nicht mehr verdienen. Wenn man auf diese Weise Pleiten verhindert, bindet man immer mehr Ressourcen in schlechten Unternehmen – die können Sie sich vorstellen wie Zombies. Die laufen auch noch rum, obwohl sie eigentlich schon tot sind. Dadurch sammeln sich immer mehr Risiken an. Die Zombie-Unternehmen sind ja Kreditnehmer. Und die faulen Kredite wandern dann wiederum in die Bankbilanzen. Und gerade die Zombies gieren nach Krediten. Es kostet ja fast nichts! Der Draghi-Crash wird in einer Katastrophe enden, auch für den Arbeitsmarkt. Aber diese Erkenntnis bringt uns leider nicht weiter, weil wir die Entwicklung nicht aufhalten können. Und: Je länger wir diese Zombifizierung der Wirtschaft betreiben, umso lauter wird der Knall."

"Deutsche Wirtschaftsnachrichten" , 15.03.2018:
"Die Europäische Zentralbank (EZB) räumt Geldhäuser in der Euro-Zone mehr Zeit ein, um sich auf neue Leitlinien zum Umgang mit faulen Krediten einzustellen. Erst ab 2021 sollen die Vorgaben der Kontrolleure in die turnusmäßige Bankenprüfung einfließen, wie die EZB-Aufsicht am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Die neuen Regeln verlangen, dass Banken in Zukunft alle Darlehen, die neu als ausfallgefährdend eingestuft werden, stärker als bisher mit Rückstellungen abfedern. So soll verhindert werden, dass Institute wie nach der Finanzkrise 2008 erneut einen Berg fauler Kredite auftürmen. An einem ersten Vorschlag der Aufseher hatte es vor allem aus Italien starke Kritik gegeben. Künftig sollen Geldhäuser alle ab 1. April neu als notleidend eingestuften Darlehen schrittweise vollständig über Rückstellungen abdecken. Bei neuen unbesicherten Problemkrediten haben sie dafür zwei Jahre Zeit. Bei Problemdarlehen, bei denen Sicherheiten wie etwa Immobilien hinterlegt sind, sind es bis zu sieben Jahre. Diese Vorgaben sind zwar laut EZB nicht verbindlich. Sie fließen aber als Erwartungen in den Aufsichtsdialog mit den Instituten ein. Erstmals ab 2021 sollen die Ergebnisse in die jährliche Überprüfung der Geldhäuser (SREP) aufgenommen werden. Erst ab dann müssen Institute über alle Fälle berichten, in denen sie von den Leitlinien abweichen. Für den Altbestand an faulen Krediten gelten diese Vorgaben allerdings nicht. Hier sehen viele Experten jedoch das größte Problem. Ende des dritten Quartals 2017 schleppten allein die großen Geldhäuser in der Euro-Zone noch faule Kredite im Umfang von 759 Milliarden Euro mit sich herum. Die Richtlinien der EZB-Aufseher sollen die neuen Vorschläge der EU-Kommission für verbindliche Regeln zum Umgang mit Problemdarlehen ergänzen. Diese sehen vor, dass Geldhäuser künftig ausfallgefährdete Kredite je nach Art des Darlehens schrittweise innerhalb von bis zu acht Jahren abschreiben müssen. Die EU-Länder und das Parlament müssen dem Vorhaben aber noch zustimmen."

Gerd Held , 27.03.2018 :
"Auch unter denen, die Verständnis für die Haltung der US-Regierung haben, gehen viele noch von der Annahme aus, dass die Globalisierung der Märkte in diesem Jahrhundert weitergehen wird und auch weitergehen sollte. Die Möglichkeit, dass sich die Ordnung der Weltwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten in eine andere Richtung entwickelt, wird nicht ernsthaft erwogen. Insbesondere wird nicht die Möglichkeit erwogen, dass die Unterscheidung zwischen Binnenmärkten und Weltmarkt sich verstärkt und damit ein neuer Pluralismus der Märkte entsteht. Bisher gilt es als Zeichen einer marktwirtschaftlichen Überzeugung, dass man die Bildung eines immer größeren Einheitsmarktes zur Quintessenz ökonomischer Vernunft macht. Alles andere gilt als Rückfall in alte Zeiten („Merkantilismus“) und als politisch-planwirtschaftliche Manipulation der wirtschaftlichen Vernunft. Vor diesem Hintergrund werden die amerikanischen Schutzzölle allenfalls als Notmaßnahme akzeptiert, aber nicht als Grundbestandteil eines zukünftigen Marktpluralismus. Deshalb vermeiden die meisten Kommentare auch eine vertiefende Erörterung der Schutzzoll-Maßnahmen. Sie vermeiden überhaupt eine nähere Betrachtung der Produktionssphäre, sondern sie erörtern nur die Zirkulationssphäre. Aber die US-Schutzzölle zielen auf eine Konsolidierung der Industrieproduktion und auf den Einsatz einheimischer Produktionsfaktoren (Betriebsanlagen, Arbeitskräfte, Technologie, Rohstoffe). Dies ist ein konstruktives Element, das durchaus verallgemeinerbar und nachhaltig ist.
Es wird seit einigen Jahrzehnten ein stark verlangsamtes Wachstum der Produktivität beobachtet. Erst kürzlich hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung (12.3.2018) von einer Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) berichtet, in der diese Produktivitätskrise unter anderem darauf zurückgeführt wird, dass es in Ländern wie Deutschland eine Verlagerung der Wirtschaftstätigkeit auf Branchen mit unterdurchschnittlichem Produktivitätsniveau gibt. Von 1991 bis 2016 fiel der Beschäftigtenanteil im verarbeitenden Gewerbe von 25 auf 18 Prozent. Zugleich stieg der Anteil im Dienstleistungssektor von 45 auf 59 Prozent. Im Dienstleistungssektor ist die Produktivität im Durchschnitt erheblich geringer als im verarbeitenden Gewerbe. Wirtschaftliches Wachstum kann also eine Zeit lang auf Kosten der Produktivität erfolgen, und eine hohe Beschäftigtenquote kann verdecken, dass die Wertschöpfung im Land schon kriselt. Der kritische Punkt ist dann erreicht, wenn die hochproduktiven Industrien so weit geschrumpft sind, dass sie die großen Sektoren mit niedriger Produktivität oder mit Null-Produktivität nicht mehr tragen können. Die hohe Verschuldung und die Unfähigkeit zum Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes kann als Folge (und als Überdeckung) dieses Produktivitäts-Problems verstanden werden. Auch das spricht gegen eine freihändlerische Lösung der Schuldenkrise. Ein Ende der Politik des billigen Geldes kann nur ausgehalten werden, wenn es Sicherungen für den Binnenmarkt gibt. Deutschland war lange Zeit auf der Gewinnerseite des Freihandels. Aber es wird jetzt deutlich, in welchem Maß es dabei von fremder Kaufkraft gelebt hat. Die Schutzzoll-Frage, die in anderen Ländern weniger selbstgewiss abgetan wird, zeigt die Verwundbarkeit des deutschen Modells. Es ist nicht verallgemeinerbar. Zugegeben, die deutsche Position ist nicht leicht aufzugeben.
Aber sie ist letztlich nicht haltbar."

"Godmode-trader" , 20.04.2018:
"Ein Großteil des deutschen Auslandsvermögens, das über riesige Handelsbilanzüberschüsse im Laufe von Jahrzehnten erwirtschaftet wurde, dürfte unwiederbringlich verloren sein. Dies sagte der Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige Chef des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, auf einer Diskussionsrunde auf der Anlegermesse Invest am vergangenen Freitag in Stuttgart. Grund seien die hohen sogenannten Target-2-Forderungen der Bundesbank, die sich auf mehr als 923 Milliarden Euro belaufen und rund 46 Prozent des deutschen Auslandsvermögens ausmachen, so Hans-Werner Sinn. Die Target-2-Salden entstehen durch große Ungleichgewichte im innereuropäischen Handel, durch den Notenbanken wie die Bundesbank hohe Forderungen und andere europäische Notenbanken hohe Verbindlichkeiten gegenüber der Europäischen Zentralbank anhäufen. Zuletzt stiegen die Target-2-Forderungen der Bundesbank dabei vor allem auch durch das gigantische Wertpapierkaufprogramm der EZB. Die Target-2-Forderungen der Bundesbank seien aber letztlich niemals einlösbar und müssten deshalb ehrlicherweise auf null abgeschrieben werden, sagte Sinn. 'Das sind Forderungen, die die Bundesbank nicht fällig stellen kann und die verzinst werden zum Hauptrefinanzierungssatz der EZB, welcher von der Mehrheit der Target-2-Schuldnerländer auf null gesetzt wurde. Jetzt frage ich Sie: Wie würde eine Firma eine Forderung bilanzieren, die ewig läuft, die sie nicht fällig stellen kann und die einen Zins trägt, der vom Schuldner festgelegt wird auf null. (...) Das ganze Geld ist heute schon weg, (...) das werden wir nie mehr wiederkriegen. Das sind 46 Prozent des gesamten Nettoauslandsvermögens der Bundesrepublik Deutschland, welches durch die historischen, riesigen Exportüberschüsse aufgebaut wurde', so Sinn. Ausländische Investoren würden Unternehmen wie etwa den Roboterbauer Kuka in Augsburg und Immobilien in Deutschland aufkaufen. Deutschland erhalte im Gegenzug 'völlig wertlose' Forderungen gegen das Euro-System in Form der Target-2-Salden, so Sinn. Die Euro-Krise sei nur scheinbar überwunden worden. Nach dem Platzen der japanischen Immobilien- und Aktienmarktblase im Jahre 1990 habe es sieben Jahre gedauert, bis viele Banken wirklich Probleme bekamen. Vorher hätten sich die Banken durch Bewertungstricks in den Bilanzen künstlich über Wasser gehalten. Erst, als Verbindlichkeiten tatsächlich fällig wurden und bezahlt werden mussten, sei das ganze Ausmaß der ungedeckten Schulden sichtbar geworden. Ähnlich könnte sich die Situation auch in Europa entwickeln. Nach dem Aufflammen der Euro-Krise im Jahr 2011 und 2012 drohe nun, sieben Jahre später, in Europa der Moment des Erwachens. 'Das Gerede um die Bankenunion, um die Einlagensicherung, die jetzt unbedingt kommen muss in Europa, das ist ja nur ein Reflex darauf, wie drängend es ist', sagte Sinn. 'Wenn wir diese Bankenunion machen, dann gnade uns Gott.' Schon die Geburtsstunde des Euro sei ein 'Rettungsschirm' für die Länder Südeuropas gewesen. 'Als der Maastrichter Vertrag geschlossen wurde, da waren die Länder Südeuropas praktisch schon pleite. Italien, Spanien, Portugal mussten für ihre Staatsschulden Zinsen von 12 Prozent zahlen. Griechenland von 25 Prozent pro Jahr. 'Der Euro war der Rettungsschirm für die südeuropäischen Staaten', sagte Sinn. Die niedrigen Zinsen in der Eurozone hätten einen künstlichen Boom in der Eurozone ausgelöst - bis die Euro-Krise zuschlug und die Finanzierung der südeuropäischen Staaten nur noch über Krisenmaßnahmen gewährleistet werden konnte. Am Ende habe nur noch das Versprechen von EZB-Präsident Mario Draghi, den Euro unter allen Umständen zu retten, sowie das QE-Programm der EZB für Entspannung gesorgt. Insgesamt habe die EZB seit 2015 mit frisch gedrucktem Geld Staatsanleihen im Volumen von 1.800 Milliarden Euro und Unternehmensanleihen im Volumen von 500 Milliarden Euro aufgekauft. 'Dadurch wird heute viel verschleppt und verdeckt, weil marode Zombi-Kunden von Banken, die eigentlich schon längst pleitegehen müssten, künstlich über Wasser gehalten werden', sagte Sinn. Durch die Krisenpolitik der EZB habe es faktisch eine Vergemeinschaftung der Schulden in der Eurozone gegeben, obwohl dies durch den Maastricht-Vertrag eigentlich ausgeschlossen wurde. Der eigentliche Grund der Finanzkrise sei eine viel zu geringe Regulierung und eine viel zu geringe Eigenkapitalausstattung der Banken gewesen. Auch die heute genannte Kernkapitalquote der Banken von 8 Prozent sei eine 'Mogelpackung', weil bei der Berechnung der Kernkapitalquote viele Aktiva der Banken nur teilweise oder überhaupt nicht berücksichtigt würden. Die Kernkapitalquote von 8 Prozent entspreche in Wahrheit einer Eigenkapitalquote von nur 2 Prozent. 'So lange wir die Banken so spielen lassen, werden wir immer einen Casino-Kapitalismus haben', betonte Sinn. Auch stehe die nächste Krise 'schon ziemlich nahe vor der Haustüre', so Sinn."

Unsere Wirtschaft kann sich schon seit einigen Jahren also gar nicht mehr selbst erhalten, sondern hängt am Tropf (an der Gelddruckerei) der Europäischen Zentralbank. Man versucht so, die Wirtschaft zu stimulieren. Das ist auch der Grund, warum man die massenhafte Einwanderung nach Deutschland zulässt. Es profitieren jedoch nur Großkonzerne und Politiker, die nach Einbürgerung der Fremden neue Konsumenten bzw. Wählerstimmen bekommen wollen.
Die gegenwärtige Bundesregierung möchte sich nicht auf eine Obergrenze für Einwanderer festlegen, es gibt jedoch anscheinend eine inoffizielle Untergrenze von etwa 3 Mio Arbeitslosen im weiteren Sinne, um den Druck auf die Beschäftigten aufrecht zu halten. Ohne massenhafte Einwanderung bräuchte man keine Gesetze zu Mindestlohn, sozialem Wohnungsbau und Mietpreisbremse: der Markt könnte das am besten regeln.
Die Masseneinwanderung zerstört außerdem das Ziel einer ausgeglichenen nationalen Ökobilanz.
Land-, Rohstoff- und Energieverbrauch nehmen unweigerlich zu.

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