Unsere Wirtschaft

Stand: 15.06.2018
2016 betrug die Exportquote (Anteil der Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen am BIP) 46,0 %;
die Importquote betrug 38,4 %. Die „Außenhandelsquote“ lag somit bei 84,4 %.
Damit gehört Deutschland zu den Staaten mit der grössten Abhängigkeit vom Ausland.

Die Globalisierung, d.h. die Verflechtung der Weltwirtschaft durch exzessiven Handel befindet sich meiner Einschätzung nach auf ihrem Höhepunkt und wird in den nächsten Jahren zurückgehen, weil sich die Triebkräfte der Globalisierung abschwächen, während Vorteile einer verbrauchernahen Produktion deutlich werden:
Bisher führte die Industrialisierung von aufstrebenden Ländern, insbesondere von China, zu einem hohen Export deutscher Produkte wie Maschinen, Anlagenteile und Kraftfahrzeuge. Im Gegenzug wurden zumeist Waren, die viel Handarbeit erfordern, nach Deutschland importiert. Doch der Vorsprung, den die Technologie und die Qualität deutscher Produkte einstmals hatte und der einen relativ hohen Preis rechtfertigte, ist in den meisten Bereichen gesunken oder sogar ganz verschwunden. Dadurch sind viele Produktionszweige aus Deutschland abgewandert, obwohl diese Waren von praktisch jedem Bürger benutzt werden, wie u.a. Unterhaltungselektronik (Fernseher, Hifi-Anlage, Smartphones), Computer, Haushaltsgeräte, Schuhe und Bekleidung. Tatsächlich ist es für einen Käufer in den meisten Fällen schwierig, den Anteil heimischer Wertschöpfung an einer Ware zu erkennen.
Schaut man sich heutzutage in den Geschäften um, findet man außer Lebensmittel, Möbel und Baustoffen nur noch wenige Waren, die zweifelsfrei zu einem überwiegenden Teil bei uns hergestellt worden sind.
Die Asiaten sind dabei, nach ihrem Erfolg bei den Konsumgütern auch bei den Investitionsgütern den Markt zu erobern. Für die noch konkurrenzfähigen Produkte verschärft sich der Wettbewerb.
Bei der Energieversorgung ist Deutschland besonders vom Ausland abhängig. So hat Deutschland 2017 etwa 70 % seines Primärenergiebedarfs importiert und erst 5,2 % seines Endenergiebedarfs im Verkehr durch erneuerbare Energie gedeckt. Wir sollten unseren Verbrauch und damit unsere Abhängigkeit vom Erdöl reduzieren, denn der in den vergangenen fünf Jahren relativ niedrige Preis für fossilen Kraftstoff wird spätestens 2020 wieder steigen.
Eine Lösung können Elektro-Autos sein, die mit einer Brennstoffzelle oder mit einem Akkusatz betrieben werden.
Die Akkutechnologie wird zwar auch in Deutschland entwickelt; die Akkuzellen werden hierzulande aber nur in Kleinserie und noch nicht in Großserie produziert.
Hauptursache der internationalen Arbeitsteilung ist, wie allseits bekannt, der Unterschied der Löhne und Gehälter bei uns zu denen in den Schwellenländern. Dieser Unterschied wird nur langsam sinken, denn einerseits verhindert das Heer der Arbeitsuchenden in Asien einen deutlichen Anstieg der dortigen Einkommen, andererseits stößt eine Stagnation der Einkommen bei uns auf großen Widerstand, zumal Manager und Politiker selbst immer mehr kassieren. Die Verlagerung von Investitionen bewirkt mehr als jede Entwicklungshilfe einen gewissen Ausgleich zwischen den (noch) reichen und den (noch) armen Ländern. Erwerbstätige in privaten Unternehmen in den wohlhabenden Ländern wie Deutschland müssen sich um den Arbeitsplatz sorgen.
Wir können also auf Dauer nicht hohe Einkommen beziehen und gleichzeitig billige Waren aus dem Ausland kaufen, weil die hier hergestellten als zu teuer gelten.

Drei Faktoren haben einen hemmenden Einfluss auf den Welthandel:
1. Verknappung und somit Verteuerung von Erdöl und Erdgas:
Dies führt zu einer Verteuerung von Transporten und macht Transporte unrentabel, die höhere Kosten verursachen als durch Einsparung bei den Personalkosten für die Produktion im Ausland herausgeholt werden kann. Eine Produktion in der Nähe der Verbraucher wird sich dann durchsetzen. Außerdem begünstigt es die Nutzung heimischer erneuerbarer Energiequellen und Rohstoffe , was inländische Arbeitsplätze schafft.
2. Automatisierung in der Produktion:
Diese ist bei uns schon weit fortgeschritten und hat den Anteil der Personalkosten an der Produktion gesenkt. Eine hohe Produktivität der Facharbeiter kann also die relativ hohen Löhne rechtfertigen.
Die Rationalisierung trägt demnach zwar betriebswirtschaftlich zur Konkurrenzfähigkeit hiesiger Produkte bei, doch volkswirtschaftlich ergibt sich das Problem der Arbeitslosigkeit. Der Staat sorgt künstlich für Entspannung auf dem Arbeitsmarkt , indem er unproduktive Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor schafft. Die demographische Entwicklung verlagert das Problem der Unterstützung von "Unproduktiven" vom Staatsdienst zur Rentenversicherung.
3. Sättigung von Absatzmärkten:
Der lange angehaltene Wohlstand bei uns hat zu einer Sättigung des Bedarfs bei nahezu allen Produkten geführt. Bei nicht zum Leben notwendigen Waren ist entweder der Preis das wichtigste Verkaufsargument oder technische Verbesserungen , die jedoch entgegen den Aussagen aus der Werbung meist eher gering oder gar fragwürdig sind. Wirkliche Neuheiten, die einen unbestreitbaren Nutzen haben, gibt es vielleicht alle 10 Jahre. Man kann diesen Sachverhalt auch positiv sehen. Wegen des stagnierenden Inlandsmarktes wird der Import kaum noch steigen, womit der Export ebenfalls nicht mehr steigen muss, um die Handelsbilanz auszugleichen.

Manfred Julius Müller:
"Der völlige Zusammenbruch der Hochlohnländer konnte bisher nur verhindert werden durch eine atemberaubende Billigzinspolitik und teure Konjunkturpakete. Die Zentralbanken stellen den Geschäftsbanken frisch generiertes (= frisch gedrucktes) Geld fast zum Nulltarif zur Verfügung. Diese ausufernde Geldschwemme stellt alle moralischen und marktwirtschaftlichen Prinzipien auf den Kopf und entwertet natürlich auch echtes (reales) Geld. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch diese Blase platzt. Und alles nur, weil man glaubt, auf angemessene Einfuhrzölle verzichten zu müssen."

"Welt"-Redaktion , 26.04.2018: "Im Herbst 2017 hatten die EZB-Bankenaufseher erstmals eigene Vorschläge präsentiert, wie die Problemkredite in Europa künftig besser in den Griff zu bekommen seien. Demnach sollten Banken faule Darlehen schneller aus ihren Bilanzen beseitigen. Seitdem haben die Finanzwächter dafür jede Menge Kritik geerntet. Vor allem Italien, das nach wie vor auf dem höchsten Berg fauler Kredite sitzt, protestierte vehement und monierte, die EZB würde ihr Aufsichtsmandat überschreiten. Offensichtlich mit Erfolg: Wie jetzt die Nachrichtenagentur Reuters gemeldet hat, könnte die EZB ihre neuen Richtlinien für den Abbau von Problemkrediten ein weiteres Mal aufschieben oder sogar ganz zu den Akten legen. Es wäre ein Triumph für all diejenigen, die in dem Vorhaben der Bankenwächter ein allzu übergriffiges Vorgehen sehen. Börsianer feierten bereits den Sieg der Italiener ausgiebig. Sie überlege noch, ob weitere Schritte, abhängig von den Fortschritten der einzelnen Institute, erforderlich seien, erklärte die Europäische Zentralbank (EZB) dazu. Es gebe aber noch keine Entscheidung. Ende September 2017 schleppten allein die großen Geldhäuser im Euro-Raum noch faule Kredite im Umfang von 759 Milliarden Euro mit sich herum. Sie sind eine Hinterlassenschaft der jahrelangen Wirtschaftsflaute nach der Finanzkrise. Besondere Brisanz gewinnt das Thema dadurch, dass die EU gleichzeitig an einer Vertiefung der europäischen Bankenunion arbeitet. Ein solches Vorhaben wird jedoch insbesondere auf deutscher Seite sehr kritisch gesehen. Mahner, zu denen auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zählt, argumentieren, dass erst die Altlasten – namentlich die Problemkredite in den Bilanzen der Banken – abgebaut und allgemeingültige Regeln für neue Wackelkredite geschaffen werden müssen, bevor man die Einlagensicherung europäisiert und die bestehenden Risiken aus den nationalen Bankensystemen vergemeinschaftet. Zumal längst nicht alle Euro-Länder über ein derart gut ausgestattetes Einlagensicherungssystem verfügen wie Deutschland."

Oswald Metzger , 02.05.2018: "Weil allerdings die Sozialausgaben massiv gesteigert werden, wächst in der mittelfristigen Finanzplanung das Haushaltsvolumen des Bundes von heute rund 240 Milliarden auf deutlich über 260 Milliarden Euro. Union und SPD kennen bei der Ausweitung neuer sozialer Leistungen keine Grenzen. Schon seit einer Reihe von Jahren wachsen die Sozialausgaben stärker als die volkswirtschaftliche Jahresleistung, das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Doch ich fürchte, es ist vergebliche Liebesmühe, auf Einsicht und Vernunft der Berliner Regierung zu hoffen. Deshalb wird die verbreitete Kritik an den sinkenden Investitionsausgaben nicht zu einem Verzicht auf die Ausweitung sozialstaatlicher Leistungsversprechungen führen. Der Sargnagel für die 'schwarze Null' ist in den Koalitionsfraktionen längst geschlagen. Der Widerstand in der Unionsfraktion ist im Zweifelsfall wie immer überschaubar. Munter wird deshalb auch Deutschland wieder sein Heil in neuen Krediten suchen, weil 'wir uns nicht tot sparen dürfen und ansonsten die Zukunftsfähigkeit des Landes gefährdet' sei. So oder so ähnlich wird es in den kommenden Monaten auf allen Kanälen tönen. Kritische Stimmen werden genau so wenig Gehör finden wie in der Vergangenheit. Denn sonst hätte sich die verlogene Erzählung von der deutschen 'Sparpolitik' nicht in der Öffentlichkeit festsetzen können. 'Eher legt sich ein Hund einen Wurstvorrat an als eine demokratische Regierung eine Budgetreserve.' Das Zitat von Joseph Schumpeter, einem der einflussreichsten Nationalökonomen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, beschreibt zutreffend die Mentalität der herrschenden Politik. Vielleicht muss man auch Schumpeters Bonmot um eine Variante ergänzen: Der Wähler will immer mehr Sozialstaat von der Politik. Deshalb bestraft er echte Sparpolitik mit Stimmentzug."

Thomas Schmoll , 17.05.2018 :
"Man hat sich ja gezwungenermaßen an Dummheit, Bauernschläue, Unberechenbarkeit, Unverfrorenheit, Arroganz, Narzissmus, Egozentrik und anderen Irrsinn in der Politik gewöhnt. Doch trotzdem ist man immer wieder geschockt, gar im Mark erschüttert, wenn mal wieder Politikerdarsteller mit einer völlig verrückten Idee um die Ecke kommen. Einige dieser Leute versuchen gerade, in Italien eine Regierung zu bilden. Das heißt, sie schicken sich an, die Geschicke der nach Deutschland und Frankreich immer noch drittgrößten Volkswirtschaft Europas zu bestimmen. Was in den Gehirnen der führenden Köpfe der eher linken Fünf-Sterne-Protestbewegung und der scharf rechten Partei Lega als Programm entwickelt wurde, sprengt den Rahmen des Vorstellbaren. Der Begriff des Populismus reicht dafür jedenfalls nicht mehr aus. Es handelt sich schlicht um Un- bis Irrsinn. 250 Milliarden Euro wollen die römischen Dilettanten von der Europäischen Zentralbank (EZB) geschenkt bekommen, also von der Institution, ohne die Italien wahrscheinlich schon pleite wäre. Zur Erinnerung: Das EU-Land, dessen Wirtschaft seit etlichen Jahren nicht oder nur marginal wächst und dessen Banken unglaubliche Milliardenbeträge an Schrottkrediten angehäuft haben, stand 2011 zusammen mit Spanien, Griechenland, Irland und Portugal am finanziellen Abgrund. Weil dies das Ende des Euro bedeutet hätte, holte EZB-Präsident Mario Draghi seine "Bazooka" raus und kaufte für horrende Summen Staatsanleihen der Euroländer in Not auf, was Italien den notwendigen finanziellen Rückenwind gab. Die viele Zeit, die Draghi dem Land schenkte, ließen diverse Regierungen in Rom verstreichen, ohne dringend notwendige Reformen anzupacken. Korruption und Vetternwirtschaft sind nach wie vor ein Problem. Ökonomen verweisen zudem darauf, dass die italienische Wirtschaft den Eintritt ins digitale Technologiezeitalter verpennt hat. Die Möchtegernkoalitionäre in Rom planen das exakte Gegenteil einer Modernisierung des Staates, falls man die Niedrigsteuer von 15 Prozent auf alle Einkommen und Unternehmensgewinne nicht als große Reform betrachtet. Ob die damit verbundenen gigantischen Mindereinnahmen in der Staatskasse durch mehr Steuerehrlichkeit, Verzicht auf Schwarzarbeit und eine höhere Kaufkraft reinkommen - wer das glaubt, hält auch die Steuererklärung auf einem Bierdeckel für möglich. Das angedachte Grundeinkommen würde arbeitslosen Eltern mit zwei Kindern monatlich mehr Geld sichern, als in den ärmeren Regionen vor allem Süditaliens Väter und Mütter verdienen, die einen Job haben. Ob das funktioniert? Kann so etwas gut gehen in einem Staat, der mehr als 2300 Milliarden Euro Schulden angehäuft hat? Wer soll das bezahlen? Die angehenden Koalitionäre in Rom haben eine Antwort: Sämtliche Steuerzahler aller anderen Eurostaaten. Das hat mit redlicher Realpolitik nichts mehr zu tun. Ein solches Ausmaß an Egozentrik und Unverfrorenheit gab es noch nie im Nachkriegseuropa. Dagegen waren die Rochaden, Unverschämtheiten und Tricksereien sämtlicher griechischer Regierungen Kinkerlitzchen. In einer Sache stimmen die griechischen und italienischen Populisten von links und rechts allerdings überein: Nicht die Politik ihres Landes und die fragwürdigen Einstellungen vieler Bürger zu Gesetzen und Steuerehrlichkeit sind mitverantwortlich für die Misere, sondern die EU-Kommission, Deutschland und natürlich der Euro. Dass die Gemeinschaftswährung eine ökonomische und politische Missgeburt ist, weiß inzwischen die ganze Welt. Aber sie zum Vorwand zu nehmen, eigenes Versagen zu vertuschen, ist billig und feige."

Frank Schäffler , 24.05.2018 :
"1989 hatte Italien eine Verschuldung von 500 Milliarden Euro und die Anleihen Italiens rentierten mit 14 Prozent. Seitdem steigt die Verschuldung und die Rendite der Anleihen nimmt kontinuierlich ab. Inzwischen liegt die Verschuldung bei 2.300 Milliarden Euro und die Rendite liegt bei rund 2 Prozent. Die Situation Italiens ist wahrlich besorgniserregend. Die Industrieproduktion hat seit 2007 fast um ein Viertel abgenommen. Der Output der Automobilindustrie ist auf dem Niveau der frühen 1960er Jahre. 1989 wurden in Italien noch fast 2 Millionen Autos gefertigt. Heute sind es nicht einmal mehr 800.000. Daher steigen auch die Target-Verbindlichkeiten gegenüber anderen Notenbanken der Eurozone auf derzeit 442 Mrd. Euro. Italien lebt seit vielen Jahrzehnten auf Pump. Finanziert wurde dies bereits vor dem Euro durch die Notenpresse. Italien wertete die Lira früher alle Jahre einfach ab. Heute wird die Verschuldung des Landes weiter über die Notenpresse finanziert. Für 337 Milliarden Euro hat die italienische Notenbank Staatspapiere des eigenen Landes gekauft. Das ist ein Drittel der gesamten Notenbankbilanz. Mit diesem Kurs wird es schwierig, Italien im Euro zu halten. Unabhängig davon, ob dies überhaupt wünschenswert ist, muss man sich die Frage stellen, wie ein geordnetes Ausstiegsszenario aussehen könnte. Hier haben die römischen Koalitionäre selbst eine Idee ins Spiel gebracht. So genannte Mini BOTs, also kurzfristige Kredit- oder Schuldscheine. Rechtlich sehen die Europäischen Verträge keine Möglichkeit einer Parallelwährung vor. Über kurz oder lang müsste Italien wohl den Euro verlassen, oder den italienischen Banken müsste der Zugang zur EZB versperrt werden und die italienische Notenbank aus dem EZB-System ausscheiden. Dann stellt sich die Frage der Target-Verbindlichkeiten und der Schuldentragfähigkeit Italiens erneut. Die Schulden Italiens sind überwiegend in Euro, daher würde eine schwache neue Währung die Bedienung der Euro-Schulden relativ erhöhen. Das alles würde die Finanzmärkte nicht unbeeindruckt lassen und Griechenland, Zypern, Portugal und Spanien erneut in den Fokus rücken. Es gibt also keine einfachen Lösungen zur Bewältigung der Euro-Schuldenkrise."

Egon W. Kreutzer , 26.05.2018: "Es geht immer nur um Fiktionen, um virtuelle Werte, denen nichts Reales gegenübersteht. Die Illusion beginnt mit der Geldschöfpung der Privatbanken aus dem Nichts, sie wurde mit der irrwitzigen Geldschöpfung der EZB aus dem gleichen Nichts aufrechterhalten, und sie soll unbedingt auch weiter gepflegt werden. Das verpönte Wort vom System der "Schuldknechtschaft" muss hier wieder einmal verwendet werden, denn um nichts anderes geht es. Dieses System muss bewahrt, geschützt, verteidigt, ausgebaut und heiliggesprochen werden. Dabei ist es eine legalisierte Form von Betrug von Anfang an. Wer Geld verleiht, das es nicht gibt, und am Ende mehr zurückhaben will, als er verliehen hat, ist - im individuellen Einzelfall - unschuldig, er macht halt sein ganz normales Bankgeschäft. Wo jedoch das gesamte Finanzsystem Geld verleiht, das es nicht gibt, wo alles Geld aus Kredit und Schuld entstanden ist, und dennoch stets mehr zurückgefordert wird als ausgereicht wurde, erzwingt eine stete Netto-Neuverschuldung und damit das permanente, unaufhörliche, nicht zu durchbrechende Wachstum der Gesamtverschuldung. Es ist nicht möglich, diesen teuflischen Prozess zu unterbrechen, so lange unser Finanzsystem so gestaltet ist, wie es gestaltet ist. Das einzige, was möglich ist, ist es, die Schulden zu verlagern, zwischen Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten können sie verschoben werden - aus der Welt zu schaffen sind sie nur durch Schuldenerlass."

Daniel Stelter , 31.05.2018:
"Wir haben es mit zwei grundlegenden Problemen in der Euro-Zone zu tun: einer sehr hohen Verschuldung der Privatsektoren einiger Länder, hohen Staatsschulden in anderen und hohen Gesamtschulden in den meisten. Zum anderen hat der Boom in den heutigen Krisenländern und Frankreich dazu geführt, dass die Lohnstückkosten deutlich gestiegen sind, während sie in Deutschland stagnierten und erst in jüngster Zeit wieder zulegten. Damit hat sich die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands innerhalb der Euro-Zone deutlich verbessert, was es den anderen Ländern so schwer macht, aus eigener Kraft die Rezession zu überwinden und vor allem, die (untragbare) Schuldenlast abzubauen. Notwendig wäre eine Verringerung der zu hohen staatlichen und privaten Schulden, eine Sanierung der Banken und eine deutliche Anpassung der Lohnkosten nach unten in den Krisenländern. Nichts davon ist in den vergangenen Jahren erfolgt. Der IWF hat vorgerechnet, dass es statt einer Konvergenz eine zunehmende Divergenz der Wirtschaften gegeben hat. Im Klartext: der Euro funktioniert nicht. Dennoch halten die Politiker krampfhaft am Euro fest. Gerade Deutschland wird bis zur Selbstaufgabe alles für den Euro tun. Zum einen, wegen unserer Geschichte, zum anderen, weil wir der Illusion unterliegen, der Euro würde unserer Wirtschaft nützen. Eine These die man angesichts der explodierenden Target-2-Forderungen durchaus hinterfragen muss. In Wahrheit ist der Euro ein Subventionsprogramm für unsere Exportindustrie, welches wir selber bezahlen. Leider wurde die deutsche Politik für ihre Weigerung, die Probleme der Euro-Zone grundlegend anzugehen, kurzfristig sogar belohnt. Tiefe Zinsen und ein schwacher Euro befeuern die Konjunktur und machen es leicht, ein schwarze Null auszuweisen. Eine falsche Wirklichkeit, aus der wir schmerzhaft erwachen werden. Anders sieht es in Italien aus. Das Land steckt seit der Einführung des Euro in einer Dauerkrise und wenngleich diese viele Ursachen hat, ist es politisch attraktiv, die Ursache am Euro und der deutschen Exportpolitik festzumachen. Der – vorerst? - verhinderten Regierung von Lega und Cinque Stelle können wir dahingehend dankbar sein, dass sie die Illusion der erfolgreichen Euro-Rettung beendet hat. Die Krise ist wieder da. Zwar dürften die Italiener auf erfolgreiche Erpressung der anderen Euro-Staaten setzen und mehr Schulden und vermutlich auch Transfers herausschlagen. Zugleich hat die EZB bereits so viele italienische Staatsanleihen gekauft und die Zinsen so tief gedrückt, dass es noch Jahre dauern würde, bis sich höhere Zinsen auf Staatsanleihen im Budget bemerkbar machen. Italien hat also Zeit. Mittelfristig spricht viel für den Austritt des Landes, einfach weil die Probleme zu groß sind und ohne einen Schuldenschnitt und eine Wiedergewinnung der Wettbewerbsfähigkeit mittels einer schwächeren eigenen Währung eine nachhaltige Erholung undenkbar ist. Erfolgt dies ungeordnet, wäre eine unsteuerbare Kettenreaktion die Folge. Der Euro wäre Geschichte. Spätestens bei der nächsten durch eine Rezession oder anders ausgelösten heißen Phase der Euro-Krise, wird die EZB Wege suchen und finden, um diese Krise mit weiteren Interventionen zu unterdrücken. Konkret müssen wir uns auf folgendes Szenario einstellen: die EZB kauft in noch größerem Umfang Staatsanleihen, aber auch private Schulden in der Eurozone auf, vorzugshalber von Banken. Letztere verpacken dann auch Problemkredite in extra Wertpapiere, für die die jeweiligen Staaten bürgen und deshalb als 'risikofrei' von der EZB gekauft werden können. Damit wandert ein immer größerer Brocken der faulen Schulden aus den Büchern der privaten Gläubiger auf die Bilanz der EZB. Kritiker werden die EZB zurecht als 'Bad Bank' schmähen, aber passieren dürfte sonst nichts. Es kommt auch nicht unbedingt mehr Geld in den Umlauf, weil es zunächst nur ein Tausch von Vermögenspositionen (Assets) ist. Die privaten Gläubiger halten dann statt Staatsanleihen etc. eben eine Forderung gegen die EZB. Das eigentliche Geld haben die Banken ja schon vorher geschaffen, als sie dem Staat und den privaten Schuldnern Kredit gewährt haben. Betreibt man die Käufe lange genug, können drei bis fünf Billionen Euro so auf den Büchern der EZB landen - und damit faktisch verschwinden. Denn die EZB kann diese Forderungen einfach zinslos stellen oder gar offiziell annullieren. Letzteres hatten die vorerst vereitelten Koalitionäre in Italien bereits in die Diskussion eingebracht, mit ihrer Forderung 250 Milliarden Schulden durch die EZB zu erlassen. Angesichts der Dimensionen vor denen wir stehen, wäre das allerdings zu wenig. Ist das nicht verbotene Staatsfinanzierung? Ja, das ist es. Doch es wäre nicht der erste Vertrag, den die Euro-Retter brechen würden, im Dienst der übergeordneten Sache. Kritiker wenden ein, dass es der Einstieg in Weimarer Verhältnisse ist und eine erneute Hyperinflation droht. Das kann sein, vor allem dann, wenn es nicht bei der einmaligen Bereinigung bleibt, sondern die Staatsfinanzierung zum Dauerzustand wird."

Bankhaus Rott , 15.06.2018:
"Die Europäische Zentralbank bleibt bei ihrer fragwürdigen Politik, den Markt mit nicht benötigter Euro-Liquidität zu fluten. Zum einen führt dies zu langfristig gar nicht überschaubaren Konsequenzen in der Realwirtschaft. Zu nennen ist hier etwa der europäische Immobilienmarkt oder das zwanghafte am-Leben-halten nicht lebensfähiger Firmen, die mit dem Tropf am Arm munter weiter ihren ökonomischen Fehlentscheidungen frönen können. 'Wenn die Pleite nicht regiert, investiert es sich ganz ungeniert', könnte man sagen. Neben den greifbaren Problemen hat man nebenbei auch den europäischen Anleihemarkt und dessen Preisfindungsmechanismus sorgfältig vernichtet. Derzeit kaufen juvenile Nachwuchskräfte im Türmchen der EZB im Frankfurter Ostend frohen Mutes alles, was auf dem Bloomberg-Schirm grün aufleuchtet. Das ist übrigens ein Job, den auch alternativ Begabte locker hinbekämen. Dummerweise ist das Grundproblem des europäischen Bankensektors seit Jahren aber kein Mangel an Euro-Liquidität, sondern ein eklatanter Mangel an Eigenkapital. Hauptgrund dafür ist die nach wie vor gehegte und gepflegte Risikogewichtung der Kapitalanlagen. Ein überaus irrsinnige Erfindung des Regulierers, die vor allem der Bevorzugung staatlicher Schuldverschreibungen dient. Im Rahmen der Risikogewichtung wird bestimmten Wertpapieren, die eine Bank für ihre Kapitalanlagen erwirbt, ein Risikogewicht zugeschrieben. Dieses Risikogewicht wird dann mit einem Faktor multipliziert, der die vorgeschriebene Eigenkapitalunterlegung von Kapitalanlagen der Banken generell festlegt. So ergibt sich beispielsweise im Standardansatz für eine Anleihe mit einem A-Rating ein Risikogewicht von 20%. Das wird multipliziert mit dem Faktor 8% für die Eigenkapitalunterlegung. Das Resultat von 1,6% gibt an, wie hoch der notwendige Eigenkapitalanteil etwa beim Kauf einer Anleihe ist. Kauft eine Bank also 100 Millionen Euro dieser Anleihe so benötigt sie 1,6 Millionen Euro Eigenkapital. Dass dies schon ohne die unmittelbare Gefahr einer Pleite im Krisenfall ein bisschen knapp sein könnte, dürfte klar sein. Wenn Sie in der Zeitung mal wieder von 'ausreichender Eigenkapitalausstattung' der einen oder anderen europäischen Bank lesen, dann ist stets die regulatorische Quote gemeint, die sich anhand der Risikogewichtung errechnet. Das Verhältnis vom Eigenkapital zur Bilanzsumme sieht man selten, es stellt sich auch ganz anders dar. Ginge man davon aus, die Risikogewichtung werde auch im Krisenfall schon passen, gäbe es keinen Grund zur Sorge. Diese Annahme ist aber selbst mit dem Begriff 'frommer Wunsch' noch höflich umschrieben, wie nicht erst die Krise 2008-2009 gezeigt hat. Im Mittel liegt die Eigenkapitalquote der europäischen Großbanken bei unter 6%. Leider muss man konstatieren, dass es in Europa Institute zu geben scheint, die nicht einmal dazu in der Lage sind, ihre Risikopositionen halbwegs sauber auseinander zu dröseln, geschweige denn zu bewerten. Die Experimente der EZB machen den Geschäftsbanken das Leben, anderen Annahmen zum Trotz, zudem nicht leichter, sondern schwerer."

Unsere Wirtschaft kann sich schon seit einigen Jahren also gar nicht mehr selbst erhalten, sondern hängt am Tropf (an der Gelddruckerei) der Europäischen Zentralbank. Man versucht so, die Wirtschaft zu stimulieren. Das ist auch der Grund, warum man die massenhafte Einwanderung nach Deutschland zulässt. Es profitieren jedoch nur Großkonzerne und Politiker, die nach Einbürgerung der Fremden neue Konsumenten bzw. Wählerstimmen bekommen wollen.
Die gegenwärtige Bundesregierung möchte sich nicht auf eine Obergrenze für Einwanderer festlegen, es gibt jedoch anscheinend eine inoffizielle Untergrenze von etwa 3 Mio Arbeitslosen im weiteren Sinne, um den Druck auf die Beschäftigten aufrecht zu halten. Ohne massenhafte Einwanderung bräuchte man keine Gesetze zu Mindestlohn, sozialem Wohnungsbau und Mietpreisbremse: der Markt könnte das am besten regeln.
Die Masseneinwanderung zerstört außerdem das Ziel einer ausgeglichenen nationalen Ökobilanz.
Land-, Rohstoff- und Energieverbrauch nehmen unweigerlich zu.

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